Ausmaße der Pornographie im Internet?
Durch die Medien geht ein Aufschrei nach dem anderem. Immer wieder ist dabei von einem "zum größten Teil pornographischem" Inhalt des Internet die Rede. Offenbar handelt es sich dabei um ein sehr leicht zu recherchierendes Thema, daß aufgrund seiner großen Skandalträchtigkeit eine sehr große Leserschaft in seinen Bann ziehen kann und damit zu einer recht hohen Auflage führen kann. Nur wenige Journalisten beschäftigen sich ernsthaft mit diesem Thema und versuchen die waren Ausmaße in Erfahrung zu bringen. So basiert der momentane "Pornowahn" auf einer Titelstory der Times die eine Studie des Forscherteams um Marty Rimm veröffentlichte. Dieses Team entpuppte sich im nachhinein als der einzelne Student Marty Rimm der schon zuvor wegen übereilter Schlußfolgerungen aufgefallen war. Der eigentliche Fehler der Studie lag in der Verwechselung der Heimcomputermailboxen mit dem Internet. Auch wenn der Artikel der Times damals innerhalb von 3 Wochen dementiert wurde, ist seitdem ein neues Genre des Sensationsjournalismus geboren worden: die Cyberpornographie.
Hier nocheinmal in Kürze die Aussagen des Artikels:
"In einer 18 Monate dauernden Untersuchung prüfte das Team 917.410 sexuelle Bilder, Beschreibungen, Kurzgeschichten und Filmclips. in den Usenet Newsgroups, die digitalisierte Bilder enthalten, davon waren 83,5 % der Bilder pornographisch." Time 3.7.1995
Richtig ist in den einschlägigen Newsgroups gibt es Bilder pornographischen Inhaltes. Von den 11.576 Webseiten die Rimm untersuchte, enthielten jedoch lediglich 9 pornographisches Material. Auch bei den von ihm untersuchten Newsgroups zeichnete sich ein ähnliches Ergebnis ab. Lediglich 17 von insgesamt wohl 12.000 damals vorhandenen enthielten pornographisches Material. Heutzutage ist wohl die Anzahl der Newsgroups mit pornographischen Material gestiegen aber auch die Gesamtzahl der Newsgroups ist gestiegen. So verfügt der Compuserve Newsserver über 15.000 Newsgroups. Wieviele davon einen pornographischen Inhalt besitzen ist unklar. Nach meinen eigenen Schätzungen über 50. Was aber dennoch weit unter 0,5 % der komplett angebotenen Newsgroups ausmacht. Heimo Ponnath ging in seinem Artikel "Der Pornomythos" noch weiter: Er versuchte anhand eines Zufallsgenerators nachzuweisen das zwar Pornographie im Netz ist aber nicht das Netz aus Pornographie besteht. Lisa Schmeiser hingegen suchte das Internet direkt nach obszönen Inhalten ab. Sie wurde erst nach 12 Suchstationen fündig. Eine Ansicht die ich nicht Teile. Meine Trefferquote lag bei einigen ähnlichen Versuchen wesentlich höher. Dennoch ist die Grundaussage die sie dabei traff grundsätzlich absolut richtig: Die Wahrscheinlichkeit, dafür unschuldig auf Pornographie aus dem WWW zu stoßen ist nahezu null. Nicht die Pornographie findet die Kinder aber die Kinder können die Pornographie finden.
Auch zu diesem Punkt muß ich noch einige abschließende Bemerkungen machen: Das Internet ist kein festes Gebilde es verändert sich täglich. Server kommen hinzu oder verschwinden, Newsgroups entstehen oder werden beendet. Diese Punkte brachten mich zu der Überzeugung, daß es nicht sinnvoll ist, eine genaue Zählung der vorhandenen Newsgroups und der in ihnen enthaltenen Materialien vorzunehmen. Am Tag der Veröffentlichung dieses Dokumentes wären die Zahlen schon wieder andere. Ziel war es vielmehr eine ungefähre Darstellung der Größenverhältnisse zu geben.
Zurück zur Startseite